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Fetisch Fotografie Die Knippserin

Unsere Serie präsentiert die spannendsten Fetish Fotografen international. Diesmal mit facettenreichen Fotografien von der Knippserin.

Was reizt dich an Themen wie Fetisch, BDSM oder Aktfotografie?

Die Vielfältigkeit des Menschen fasziniert mich schon lange. Im Grunde gibt es nichts, was es nicht gibt. Und vieles, was auf den ersten Blick als krank oder abartig erscheint, ist es gar nicht, wenn man hinter die Kulissen schaut.

Mit dem Thema Akt habe ich mich schon ziemlich früh auseinander gesetzt. Ich wurde recht frei erzogen und hatte ein gutes Verhältnis zum Nackt sein. Da ich auch zeichne und male seit ich einen Stift halten kann, habe ich natürlich auch irgendwann mit der Studie des menschlichen Körpers begonnen. Ich habe anhand von Büchern und Vorlagen Akt gezeichnet, dann in meinem Studium zur Dipl. Grafik-Designerin intensiviert, und hatte nie ein Problem damit. Die Aktmalerei und mein Studium waren eine gute Grundlage für meine Fotografie. Es ist eine Kunstform, die es schon sehr lange gibt, eigentlich seit es Menschen gibt, die begonnen haben sich künstlerisch auszudrücken.

Den Bereich BDSM und Fetisch habe ich erst später entdeckt. Ich begann mich damit auseinander zu setzen, lernte viele Menschen aus diesem Bereich kennen und begann zu verstehen, was es tatsächlich bedeutet, diese Neigungen zu haben. Ich sah die unterschiedlichsten Ausprägungen und bin der Meinung, dass jeder so leben sollte, wie es ihn persönlich glücklich macht. Natürlich gibt es auch einige schwarze Schafe unter diesen Menschen, die den Sinn dahinter absolut gar nicht verstanden haben und irregeleitet anderen damit weh tun, nicht nur körperlich, sondern viel schlimmer auch seelisch.

„Ohne den Schatten gäbe es kein Licht. Ohne Leid keine Freude.“

Doch so ist das Leben. Wie bei allem, was auf der Erde passiert, gibt es das Schöne und das Schlechte. Ohne den Schatten gäbe es kein Licht. Ohne Leid keine Freude. Wobei ich das Leid und den Schatten nicht als erstrebenswert empfinde, aber so funktioniert es nunmal. Yin und Yang.

Hinzu kommt, dass in jedem von uns Dinge schlummern, die die meisten Menschen nicht zulassen. Entweder aus Angst vor Ablehnung, Ausgrenzung oder noch schlimmer: Aus Angst vor sich selbst. Hinabzutauchen in die tiefsten Gefilde der menschlichen Seele ist spannend und reizvoll, dabei jedoch immer die Grenzen dessen wahrend, die es ausmachen, menschlich zu sein.

Gefühle – und seien sie auch noch so seltsam – sind wichtig. Sie zu erkennen, für sich anzunehmen und zu leben – das ist es, was einen Menschen glücklich macht. Vorausgesetzt, es ist nichts Rechtswidriges, passiert im gegenseitigen Einvernehmen unter Erwachsenen und diskriminiert keine anderen Menschen. Hör auf Dein Herz. Es sagt Dir immer das Richtige.

Mein Horizont beschränkt sich nicht auf die gängigen Denkmuster und Moral ist für mich persönlich, dass man andere Menschen achtet und respektiert. Moral ist jedoch nicht allgemein gültig oder über einen Nenner zu bringen. Gerade was erotische Sichtweisen angeht, gibt es viele Nuancen, die ich nicht von vornherein als krank oder moralisch verwerflich abstempele. Das Leben ist bunt und facettenreich. Sei Du selbst und respektiere andere Sichtweisen. So lebe ich und so fotografiere ich auch.

Fetisch Fotografie wird immer populärer. Warum gab es lange Jahre so viele Vorurteile?

Ich glaube, dass sich Menschen nicht genug mit diesen Dingen beschäftigen und in vielen Bereichen des Lebens viel zu oberflächliche Aussagen getroffen werden, die nicht im Mindesten fundiert sind. Es ist leichter sich einer Meinung anzuschließen, ohne sich damit zu beschäftigen. Mitläufer gab und gibt es schon immer und die Menschen sind zuweilen auch zu faul, um sich tiefer mit Themen auseinander zu setzen. Wenn es einen selbst nichts angeht, werden einfach allgemeine Aussagen darüber gemacht oder andere Meinungen unterschrieben, ohne sie zu hinterfragen. Das führt oft zu Vorurteilen.

„In 50 Shades of Grey, wird Einvernehmlichkeit mit Füßen getreten…“

Wobei ich die neue Popularität von Fetisch- bzw. BDSM-Themen auch zum Teil für gefährlich halte. Auch hier gilt leider oft, dass sich zu oberflächlich damit beschäftigt wird und alte Klischees dazu führen, dass der tiefere Sinn dieser Neigungen falsch dargestellt wird.
Ein gutes Beispiel hierfür sind die Bücher und auch der Film „50 Shades of Grey“. Da wird alles, was diese Neigung ausmacht und was mit Einvernehmlichkeit der Beteiligten zu tun hat mit Füßen getreten.

SSC (Safe, sane, consensual) oder auch RACK (risk-aware consensual kink) sind kein Thema. Stattdessen vermittelt man dem Leser oder Zuschauer etwas, was absolut falsch ist und so niemals geschehen sollte. Hinzu kommt, dass Klischees wie der reiche, aber mit Kindheitstrauma behaftete, dominant-sadistische Hauptdarsteller in die Schublade der „Kranken“ gepackt wird. Somit wurde das Vorurteil, welches schon bis dahin vorherrschte, dass alle, die das tun krank sind, wieder einmal bestätigt.

Gibt es für Dich Tabus während einem Fotoshooting?

Ja. Auch wenn ich sogar Pornart shoote – inkl. Happyend 😉 – bin ich immer in meinem sogenannten „Knippserin-Modus“. Bedeutet, dass ich mich niemals dazu hinreißen lassen würde, mich an den erotischen Szenen vor meiner Kamera aktiv zu beteiligen. Mein Fokus ist das emotionale Foto. Einige Menschen verstehen das nicht oder wollen eben mehr als nur Fotos. Das würde für mich niemals in Frage kommen. Außerdem gibt es natürlich auch Grenzen im Bezug auf das, was ich fotografiere. Ungesetzliches, Kinderpornografie, Sodomie lehne ich strickt ab, auch würde ich keine Gewaltverherrlichung fotografieren, die echtes, ungewolltes Verletzen zur Folge haben würde.

Hast du einen speziellen Fetisch, von dem du uns erzählen möchtest?

Tut mir leid, den habe ich nicht, auch wenn das jetzt vielleicht langweilig ist :-). Außerdem ist meine Beziehung, meine Sexualleben privat und das soll es auch bleiben.

Was ich jedoch in meiner Arbeit als Fotokünstlerin fast als Fetisch bezeichnen könnte sind Farben. Viele Fotografen sind fast auschließlich in Schwarzweiß unterwegs oder auch sehr dunkel. Gerade was Fetisch- und BDSM angeht, denken viele, dass Farben dort eher unpassend sind. Ausnahme: Latex. Da werden auch gerne Farben eingesetzt, weil Latex auch sehr starke Farben hat.
Starke, warme Farben begleiten mein künstlerisches Leben schon sehr lange. Auch in der Malerei benutze ich sie gerne – auch zusammen mit dunklen Farbtönen, da sich die kräftigen dadurch noch verstärken. So ist es auch in meiner Fotografie. Ich liebe warme, intensive Nuancen von Rot, Pink, Orange, Gelb, Grün und Blau. Ja, ich weiß, Blau ist eine kalte Farbe, aber auch diese kann man mischen und trotzdem noch in gewisser Hinsicht wärmer erscheinen lassen. Gerade BDSM verbinden viele einfach nur mit düsterem Ambiente. Warum? Der Sinn hinter dieser Neigung ist doch vor allem Vertrauen, Liebe und tiefe Verbundenheit. Nur so funktioniert es wirklich und so tief, dass es echt ist. So passen auch starke Farben dazu. Warme Töne, die diese Liebe, diese Eigenschaften einer solchen Verbindung wiederspiegeln.

Was inspiriert dich? Gibt es Fotografen oder andere Künstler, die deine Arbeiten beeinflussen? Oder vielleicht etwas Generelles aus deinem Leben?

Mich inspiriert das Leben an sich. Ich lerne gerne Menschen kennen, befasse mich mit vielen Dingen und Themen, bin offen, versuche vorurteilsfrei durch die Welt zu gehen. Menschen und Dinge wirklich zu sehen, bedeutet, dass ich mich gerne mit Menschen tiefer gehend befasse. Mich interessiert das, was man auf den ersten Blick nicht sehen kann.

Die Persönlichkeit, die tieferliegenden Dinge, die in einem schlummern, das Herz, die Gefühle, die Sehnsüchte. So gehe ich auch auf die Menschen zu, die sich von mir fotografieren lassen wollen. Ich möchte sie so echt wie möglich fotografisch erfassen. Darum muss ich sie auch möglichst gut kennenlernen. Dies lassen zwar nicht alle zu, da ich aber eine große Empathie besitze, Menschen sich meistens gerne in meiner Gesellschaft öffnen, gelingt mir das auch oft sehr gut. Manchmal hat ein Fotoshooting fast therapeutische Züge. Ich wundere mich immer wieder, dass sich die Menschen bei mir so öffnen und Dinge erzählen, die sie erst wenigen anderen erzählt haben oder sich plötzlich total frei fühlen, obwohl sie vor dem Shooting noch wahnsinnig nervös, befangen und schüchtern waren.

„Es geht nicht nur um Fotos, es geht mir um den Menschen.“

Irgendwie habe ich wohl eine Art an mir, die Sicherheit vermittelt. Das ist schön und erfüllt mich. Es geht mir nicht nur um Fotos. Es geht mir um den Menschen, der vor mir steht. Das Gefühl, die Persönlichkeit, Seiten des Menschen, die er oder sie vielleicht noch gar nicht kennen oder zugelassen haben. Das inspiriert mich.

Natürlich gibt es auch andere Einflüsse. Die eigene Vergangenheit, Erfahrungen, die ich selbst gemacht habe, Gefühle, die ich in bestimmten Situationen hatte und die ich für meine Art von Fotografie nutzen kann, um eine Geschichte zu erzählen, dem Betrachter mehr zu geben als nur ein schönes Foto. Ein Gefühl transportieren. Das ist mir wichtig.

Wenn ich andere Künstler nennen sollte, die mich beeindrucken oder auch beeinflussen, so kann ich ganz klar Ellen von Unwerth nennen. Ich liebe ihre Art der Fotografie. Sie ist ebenfalls sehr unkonventionell, bleibt bei sich und ihren Ideen, hat keine Scheu auch mal kontrovers zu sein oder Themen zu nutzen, die die breite Masse evtl. eher ablehnen könnte. Sie hat ein Wahnsinns Auge für den Moment. Das bewundere ich an ihr. Ich würde sie wirklich gerne mal persönlich kennenlernen. Eine tolle Frau.

Unperfekter oder perfekter Körper. Was reizt dich mehr?

Beides. Ecken und Kanten an einem Menschen, unperfektes, rundes, weiches, hartes, einfach alles kann interessant sein. Das eine wie auch das andere hat seine Reize für mich. Im Grunde fotografiere aber immer unperfekte Körper. Ob nun ein Model vor mir steht oder „Daniela“ von nebenan. Kein Körper ist perfekt. Perfekt gibt es nicht und wenn es das gäbe, wäre es langweilig, weil es zu glatt ist.

Welche Musik oder welcher Song verkörpert deine Kunst?

Da ich mich in so vielen Richtungen künstlerisch ausdrücke, gibt es nicht den einen Song oder die eine Musikrichtung, die das ausdrücken würde. Ich höre sehr unterschiedliche Richtungen. Von elektronischen Beats, chilligen Klängen, über soften Jazz, Swing, Rockabilly, Heavy Metall, bis hin zu Klassik. Ich liebe gerade die Vielfalt und ein breites Spektrum in allen Bereichen meines Lebens.

Welche Projekte oder Träume möchtest du dir in deiner künstlerischen Zukunft erfüllen?

Ich habe noch so viele Ideen im Kopf. Zum Beispiel würde ich gerne mal ein richtig großes Szenario planen. Das Cover von Rammstein „Liebe ist für alle da“ ist echt irre. So etwas würde ich auch gerne mal machen.
Aber auch in Richtung Familien, Kinder in einer Weise fotografieren, die eben sehr authentisch und gefühlvoll ist. Ich liebe die Abwechselung und beschränke mich nicht auf Fetisch-BDSM-Pornart. Das wäre mir auf Dauer zu wenig. Die ganze Bandbreite des Lebens möchte ich festhalten.
Auch würde ich wahnsinnig gerne mal die Welt bereisen und dabei Fotos machen. Menschen und Kulturen sehen, erleben und in meinen Fotos ausdrücken.
Ein Traum wäre es auch mal für ein großes Modelabel zu shooten. Keine Fotos von der Stange, sondern eben Kunst (Fotos) für Kunst (Modedesign). Ob mir dies noch zuteil wird? Ich hoffe es einfach. Ich bin eine hoffnungslose Optimistin.

Alter: 46 Jahre
Ausbildung: Dipl. Grafik-Designerin
Land: Deutschland
Website: www.die-knippserin.de
Kontakt: info@die-knippserin.de
Nächste Ausstellung: Hierzu gibt es noch keine Details, ist aber bald in Planung.

Neo

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