Mösen in Bewegung – Christopher Street Day Berlin, 1998 Foto und © Kristina Strauß

Mösen in Bewegung – Christopher Street Day Berlin, 1998
Foto und © Kristina Strauß

Die Genderfrage

Ein Foto zeigt einen muskelbepackten maskuliner Körper, der in einer eng anliegenden, weißen Baumwollpants steckt. Auf den ersten Blick ist es ein Mann, bei genauerem Hinsehen bemerkt man aber, dass sich die Brustmuskulatur zu einem leichten Busen formt. Das Gesicht blickt weg vom Betrachter, der rote, große Schmollmund ist nicht zu übersehen und auch die Frisur zeigt keine eindeutige Richtung- hin zu einem Geschlecht. Schauen wir weiter, zeigt ein Poster zwei lachende Männer in Brautkleidern. Glücklich, fast frenetisch. Sie fordern: Gleiches Recht für alle!

Die Bilder gehören zur Ausstellung „Homosexualität_en“ die das Deutsche Museum in Zusammenarbeit mit dem Schwulen Museum Berlin noch bis zum 1. Dezember 2015 präsentiert. In der ausführlichen Schau zum Thema Genderfrage ,Orientierung und Gleichberechtigung wird die Geschichte der Homosexualität, deren Politik und Kultur der letzten 150 Jahre in beiden Museen gezeigt.

 

Werbung: Homage an Benglis, part of the larger body of work CUTS: A Traditional Sculpture, 2011,Heather Cassils and Ronald Feldman Fine Arts © Heather Cassils and Robin Black 2011

Geschichte der Homosexualität

In zehn Kapiteln wird zum Beispiel im Deutschen Historischen Museum die Geschichte der Homosexualität_en bis in die Gegenwart nachgezeichnet: Es wird gezeigt, wie gleichgeschlechtliche Sexualität und nonkonforme Geschlechtsidentitäten von der Gesetzgebung kriminalisiert, von der Medizin pathologisiert und von der Gesellschaft ausgegrenzt wurden. Zu sehen ist beispielsweise ein Exemplar der ersten geltenden weltlichen Strafvorschrift „Constitutio Criminalis Carolina“ aus der Mitte des 16. Jahrhunderts, die sexuelle Handlungen „wider die Natur“ von Frauen wie Männern mit dem „Feuertod“ bestrafte.

 

Die Ausstellung möchte das Thema in die Mitte der Gesellschaft tragen.

Auf insgesamt 1.600 Quadratmetern, werden an beiden Ausstellungsorten, der gesellschaftliche Umgang mit Homosexualität, seit dem späten 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart thematisiert.

Mit dabei sind Dokumente, Gemälde, Zeichnungen, Fotografien und auch ausgewählte Videoarbeiten, unter anderem von berühmten Künstlern wie Andy Warhol, Jeanne Mammen, Louise Bourgeois, Lee Lozano und Tamara de Lempicka.

Die Geschichte und Kultur homosexueller Menschen führt im öffentlichen Gedächtnis bisher ein Schattendasein. Daher beleuchtet die Doppelausstellung die Komplexität geschlechtlicher Identitäten sowohl in einem historischen Kontext ebenso wie in der aktuellen Debatte um alternative Lebensentwürfe und das Recht der Gleichstellung vor dem Gesetz und in der Gesellschaft.

Goodyn Green: Aus der Serie Women, 2011-2012, C-print (digital), 30 x 30 cm © Goodyn Green

Neue Blickwinkel und Standpunkte.

Ein Bereich widmet sich mit einer Vielfalt von unterschiedlichen Exponaten den Emanzipationsbewegungen lesbischer, schwuler und transidentischer Menschen, insbesondere seit der gesetzlichen Liberalisierung ab den 1960er-Jahren. Zu sehen sind Flugblätter, Plakate, Fotografien, Videos und auch Objekte, wie zum Beispiel eine im Original erhaltene Aufklärungsbroschüre der ersten homosexuellen Bürgerrechtsorganisation „Wissenschaftlich humanitäres Komitee“ aus dem Jahr 1901.

Ausserdem das Drehbuch von „Coming Out“ (1989), dem ersten und letzten offiziellen Film zur Homosexualität in der DDR oder Filmaufnahmen des „Mösenmobils“ auf dem Berliner Christopher Street Day 1998.

Die Ausstellung zerstört die übliche Wahrnehmung, Homosexuelle mit schwulen Männern gleichzusetzen. Sie rückt vielmehr die wesentliche Rolle lesbischer Aktivistinnen ebenso wie weitere Geschlechtsidentitäten in den Fokus. Vielfalt wird Realität und fester Bestandteil einer einzigen Gesellschaft, die diese aber versucht auszugrenzen.

[ Homosexualität_en  bis 1. Dezember 2015, Deutsches Historisches Museum und Schwules Museum Berlin ]

 

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