Herbert Hoffmann (1919-2010), Tattoo-Legende und Mitbegründer der ältesten Tätowierstube Deutschlands im Hamburger Stadtteil St. Pauli © Kantonsbibliothek Appenzell Ausserrhoden, Trogen, PA Herbert Hoffmann

 

Körperkunst im MKG Hamburg

Kleine Anker, Drachen, Schriftzüge oder auch Portraits. Was im Winter verdeckt bleibt, bringen die Sommermonate zum Vorschein: Tattoos. Diese Körperkunst ist heute zeitgenössischer denn je und allgegenwärtig. Als kulturhisto­rischeKonstante sind sie aber weit mehr als ein aktuelles Massen­phänomen oder kultiges Modeaccessoire. Den viele Kulturen kennen die Tradition der Tätwierung und haben diese nicht nur in der Haut, sondern auch auch tief in ihren Riten verankert.Die menschliche Haut als Leinwand, ist also nichts ungewöhnliches, obgleich sie für viele Anlass zum verwunderten Staunen ist.

Tätowierungen gehören zu den ältesten Kunstformen und Handwerkspraktiken und sind aus der Geschichte der Menschheit nicht wegzudenken. Sie erzählen persönliche Geschichten, Wut oder Trauer, berichten von Liebe, schaffen Identität und Zugehörigkeit, schmücken die Träger, heilen die Wunden und schützen die Seelen. Sie faszinieren einerseits, aber stoßen auch ab und werden mit Ihren Trägern zu Aussenseitern. Als anderes Extrem werden Tattoos mystifiziert und zum kommerziellen Trend in den Modehimmel gehoben.

Die Kunst im Fokus

Die Ausstellung im MKG Hamburg stellt erstmalig diese breite Interessenspektrum, dieser sehr alten und immer noch lebendigen Kunst im Fokus mit Kultur und Design aus, zeigt internationale Positionen auf und diskutiert diese. Sie wirft ausserdem einen Blick auf die Ambivalenz von Tätowierungen, die mal Auszeichnung, mal soziale Zuordnung, Identitätsmerkmal, aber auch Stigmatisierung bedeuten können. Egal in welcher Epoche oder sozialen Schicht.

Masahiko Adachi Filmstill aus „Flesh Color“, Regie: Masahiko Adachi, Japan 2010, 4 Min. © Masahiko Adachi

Die traditionelle Kulturtechnik

Weltweit nutzen viele Kulturen die menschliche Haut als eigene Galerie. Die Tradition der Tätowierung gehört zu den frühen Kunstformen und ältesten Handwerkspraktiken und prägt heute noch das Alltagsbild.

Die Ausstellung stellt ausgewählte Beispiele vor. Die Gesichtstätowierungen der Chin-Frauen in Birma etwa sind Teil eines Rituals, das den Übergang von der Kindheit zur Welt der Erwachsenen markiert. Mit Hilfe von Dornen oder Nadeln werden Muster in die Haut eingebracht, die sich von Familienclan zu Familienclan unterscheiden.

Auch die neuseeländischen Tā Moko, die Gesichtstätowierungen der Maori, geben Auskunft über die Familienzugehörigkeit und soziale Stellung der Person.Jede Gesichtspartie ist bestimmten Informationen vorbehalten, so bedeutet eine Tätowierung der Stirnmitte einen hohen Status.

In Thailand sind sakrale Tätowierungen – „Sak Yant“ genannt – weit verbreitet. Sie sollen ihre Träger vor schlimmem Unglück bewahren und sie dabei unterstützen, ein moralisch korrektes Leben zu führen.

Tattoos haben auch in Japan eine lange Tradition. Im dritten Jahrhundert wurden sie zuerst in dieser Kultur erwähnt und gezeigt. Die Gestaltung folgt dabei einer besonderen Harmonie und Eleganz und zeichnet sich durch klar gegliederte Farbbereiche aus. Die Tattoos erstrecken sich oftmals über große Körperflächen und fügen sich zu einem zusammenhängenden Bild. Die Motive stellen häufig traditionelle Holzschnitte oder mythologische Wesen dar, die besondere Eigenschaften des Trägers hervorheben sollen.

Der Drache steht beispielsweise oft für Männlichkeit, Macht oder den Himmel. Da Tätowierungen von 1870 bis 1948 in Japan verboten waren, wurden sie lange Zeit mit dem kriminellen Milieu der Yakuza, einer japanischem Mafia- Organisation, in Verbindung gebracht.

Tattoo-Vorlagenblatt von Christian Warlich, Hamburg, um 1930 © Tattoo Museum Willy Robinson

Die Hamburger Tattoo Szene

Mit der Schau blickt das MKG auch zurück auf die traditionsreiche Geschichte der Hamburger Tattoo-Szene, deren Wiege im Hafenmilieu des späten 19. Jahrhunderts zu finden ist. Bisher unveröffentlichte historische Fotografien dokumentieren die typischen Tätowierungen der Hamburger Arbeiterschaft um 1890. Tattoo-Legenden wie Christian Warlich („der König der Tätowierer“) und Herbert Hoffmann stehen für eine vielfältige und ausdrucksstarke Kunstform, die immer neue gestalterische Experimente hervorbringt. Einen Einblick geben Arbeiten lokaler Tattoo-Künstler, die sich von der Sammlung des Museums inspirieren ließen. Eine Videoprojekti- on zeigt zahlreiche Arbeiten renommierter Tätowier und Tätowiererinnen aus der aktuellen internationalen Szene, die sich durch eine Vielfalt an Stilrichtungen und neuen künstlerischen Bewegungen auszeichnet.

 

Tattoo 13. Februar bis 6. September 2015 | Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg | Steintorplatz 1 | D-20099 Hamburg

 

 

 

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