Für die Autorin Amelie Autrement ist BDSM nicht nur eine Leidenschaft, die sie lebt, sondern die sie zu ihrem Beruf gemacht hat. Sie stellt sich als Sklavin zur Verfügung. Ihre Erlebnisse verarbeitet sie in ihren Texten und lässt den Leser direkt durchs Schlüsselloch in eine aufregende, den meisten wohl unbekannte, Welt blicken. Ich hatte das Vergnügen, die sympathische Österreicherin zu einem kurzen Interview bitten zu dürfen und lernte – nach anfänglichen Herausforderungen aufgrund des Dialekts, denn Österreicher und Berliner haben mitunter Verständigungsprobleme – einen sehr authentischen und offenen Menschen kennen. 

Wie bist Du zum BDSM gekommen und wann hast Du Dich dazu entschlossen, Deine Leidenschaft zum Beruf zu machen?

Ein Anfang lässt sich schwer fest machen, ich habe mich als Kind beim Cowboy und Indianer spielen schon gerne fesseln lassen. Der erste echte Kontakt waren Brustwarzenklammern, ab diesem Moment wusste ich zwar, was ich will, konnte es aber leider nicht weiter ausleben. Und dann habe ich Madame kennen gelernt. Es war wirklich dem sehr ähnlich, wie ich es im ersten Band beschrieben habe, also jung, pleite, geil und vor allem neugierig – aber nicht verzweifelt. Ich bin „ganz unschuldig“ auf die Seite meiner Madame gestoßen, habe mich spontan als Sklavin beworben und war wirklich überrascht, dass sie mir geantwortet hat. Es war eine Entscheidung in meinem Leben, die ich bis jetzt nie bereut habe – allein schon wegen meiner Arbeitskleidung! 

Als Schriftstellerin bist Du ein kreativer Mensch. Verlangt Dein Beruf ebenfalls Kreativität? Aus welchen Quellen schöpfst Du, wenn Du nach Inspiration suchst?

Naja, im Studio lasse ich mich eher von den Einfällen meiner Gäste überraschen, bei Rollenspielen darf ich selbst auch kreativ sein, daher machen mir diese auch besonders viel Spaß. Es kommt einfach… Und wenn wirklich nichts kommt, hilft es mir, in die Natur zu gehen, in den Garten, oder mich einfach vor mein Aquarium zu setzen, um den Kopf wieder frei zu bekommen.

Die Vorurteile, dass Frauen promiskuitive Sexualität ohne Gefühle nicht genießen können, werden durch Deine Schilderung nicht bestätigt. Gab es mitunter auch Berührungsängste oder Situationen, in denen Du Dich nicht wohl gefühlt hast?

Ja natürlich. Es gibt einfach Menschen, mit denen man nicht klar kommt! In diesem Gewerbe ist es besonders wichtig, auf sein Bauchgefühl zu hören. Wenn etwas nicht passt, dann kommt es auch nicht zu einer Session. Natürlich ist immer der Reiz da, neue Sachen auszuprobieren, im Vorgespräch lässt sich hier bereits vieles klären und sollte es für eine Seite nicht passen – denn dies gilt natürlich auch für den Kunden – dann findet die Session nicht statt.

Hat es für Dich als submissive Frau einen besonderen Reiz sich in einer geschäftlichen Situation hinzugeben?

Jain … Ich finde es allerdings noch immer faszinierend, dass ich dafür bezahlt werde, Spaß zu haben.

Wie war es für Dich, als Du Dich das erst mal in einem geschäftlichen Rahmen als Sklavin verdingt hast?

Genau das ist es für mich!“ so etwas muss mir durch den Kopf gegangen sein. Kurz und knapp.

Wer selbst schreibt, ist häufig mit Büchern aufgewachsen, welche Bücher haben Dich besonders geprägt und inspiriert? In welchen Genres findest Du Dich wieder?

Ich lese mich immer wieder quer durch das Gemüsebeet. Angefangen hat alles mit Romanen von Hermann Hesse, Charles Bukowski über Felix Saltens bis hin zu „Josefine Mutzenbacher“. Und dann immer wieder Thriller, wie beispielsweise „Die Geduld der Spinne“ von Jonathan Nasaw und natürlich „wissenschaftliche Fachliteratur“ wie „Die raffinierten Sexpraktiken der Tiere“ von Olivia Judson. Ganz großartig finde ich zudem Albert Drachs „Untersuchung an Mädeln“ – Nein, das ist jetzt nicht das, wonach es sich anhört. [Anmerkung: Albert Drach ist Büchner-Preisträger, leider bereits seit einiger Zeit verstorben und bei dem erwähnten Werk handelt es sich um einen grandiosen Kriminalroman] Ach ja, und ganz wichtig: Die Comics von Ralf König, „Sandra Bodyshelly“ von Harm Bengen und die Bücher und Comics von Walter Moers.

Du schreibst unter einem Pseudonym. Gehst Du im Alltag offen mit Deiner Neigung und Deinem Beruf um?

Ja! Es lebt sich viel einfacher, wenn man sich nicht verstellen muss. Ich muss es allerdings nicht jedem auf die Nase binden, aber wenn es zur Sprache kommt, kläre ich gerne auf.

Hast Du einen festen Spielpartner und kannst beschreiben, wo der Reiz des privaten, intimen Spiels und der des geschäftlichen Arrangement liegt?

Ich habe es privat versucht, aber ich stehe auf abwechslungsreiche Spiele, das kann man fast keinem einzigen Mann zumuten. Nein, jetzt mal im Ernst, der Unterschied liegt sicherlich im Zeitdruck. Im Studio muss ich ja (leider) auf die Zeit achten.

Was würdest Du einer Freundin raten, die sich für einen Einstieg als bezahlte Sklavin interessieren?

Mache nichts, was dir nicht wirklich Spaß macht (sei authentisch), sei ehrlich (zu deinen Gästen und vor allem dir selbst gegenüber), achte auf Sauberkeit und kein Sex ohne Schutz! Und: entscheide dich nicht des Geldes wegen für den Job.

Vielen Dank für das spannende Gespräch.

Von Amelie Autrement sind bislang zwei Bücher erschienen, in denen Sie in einem sehr bildhaften Erzählstil über ihre Erfahrungen als Sklavin berichtet. Wer also noch nach heißer Lektüre für den Herbst sucht, sollte hier auf jeden Fall einen Blick riskieren. Unter folgenden Links findet Ihr zudem eine Leseprobe:

https://www.amazon.de/Amelie-die-ersten-Tage-Autrement/dp/396056001X/ref=sr_1_2?ie=UTF8&qid=1477417278&sr=8-2&keywords=amelie+autrement

https://www.amazon.de/Amelie-Nacht-fordert-ihren-Tribut/dp/3960560125/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1477417278&sr=8-1&keywords=amelie+autrement

 

 

Lilium

Lilium

Lilium hat ihr Studium in Literaturwissenschaften und Mediävistik mit dem Schwerpunkt Sadomasochismusforschung abgeschlossen und lebt ihre BDSM-Neigung auch im Alltag offen aus. Die gebürtige Berlinerin ist nicht nur wahnsinnig neugierig darauf, was andere zu erzählen haben, sondern gibt zudem gerne einen Einblick in ihre ganz privaten Leidenschaften.

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